Die Ausstellung war ursprünglich schon für 2020 geplant und musste coronabedingt zwei Mal verschoben werden. Die Künstlerin hat ihr Konzept seither aus der Serie "folding" heraus weiterentwickelt und realisiert für Ostfildern eine großformatige Tuschezeichnung, die über die Blattränder hinaus direkt auf die Galeriewand aufgebracht wird.
Ausgehend von Faltungen, die im Vorfeld aus einem Papierbogen entstehen, bilden die einzelnen Faltebenen die Basis für übereinander lagernde Tuscheschichten von unterschiedlichen Intensitäten, die sich auf der Galeriewand verdichten und den Bildraum erweitern. Risse und Faltkanten bleiben als grafische Elemente sichtbar und korrespondieren mit dem rissedurchwirkten Galerieboden. Unbehandelter, ausgesparter Blattraum wird zum lichten Zentrum und nimmt je nach Tageszeit und Wetterlage den Lichtbalken auf, der durch das Fensterband bricht, um dann im spitzen Winkel und in jähem Richtungswechsel über den Boden zu wandern.
Michelin Kober visualisiert Abläufe, Bewegung und damit Zeit im Raum. Der Raum wird Teil des Werks, das zwischen Zeichnung, Malerei und Konzeptkunst changiert.
Die große Wand bietet Raum für Kobers Instagram Projekt Daily Lines, 2021. An jedem Tag des Covid-Jahres 2021 ist eine Zeichnung entstanden. Fließende Linien aus Tusche bahnen sich ihren Weg über das Postkartenformat. Die Wiederholung des stets gleichen Ablaufes bringt doch eine Fülle an Möglichkeiten und Varianten hervor.
Zeichnungen aus den Reihen "flimmering" und "four dots coloured" komplettieren die Präsentation.